„Professional SCRUM Master“-Zertifikat

Schon seit dem Beginn meiner Berufslaufbahn entwickele ich Software in unterschiedlichsten Rollen. Egal ob als DB-Developer, C# bzw. Visual Basic Programmierer oder auch aus Sicht des Projektleiters: Die Anfänge waren im Jahre 2003 alle etwas chaotisch und unstrukturiert. Im Laufe der Zeit wurde sowohl der Entwicklungsprozess als auch die Managementebene deutlich professioneller. Je komplexer und herausfordernder die Projekte wurden, je besser hat man sich im Team organisiert, gemeinsame Regeln aufgestellt, die Zusammenarbeit optimiert und von anderen gelernt. Dies hat sich auch in den eingesetzten Methoden widergespiegelt. Meine Zeit mit internationalen Ausschreibungen der öffentlichen Hand wurden bspw. vom V-Modell XT geprägt, während man danach immer agiler wurde. Gestern habe ich nun meine Kenntnisse in diesem Bereich auch mal offiziell zertifizieren lassen und meinen „Professional SCRUM Master“-Titel entgegen genommen.

warum SCRUM?

Heutzutage liest man in jeder zweiten Stellenanzeige für Developer etwas von „agiler Entwicklung“. Oft fällt dabei dann das Buzz-Word „SCRUM“. Blickt man jedoch tiefer hinein wenden die wenigsten Unternehmen konsequent dieses Framework an, sondern adaptieren die Teilbereiche, die sie für sich als passend und sinnvoll erachten. Doch das greift zu kurz und die Idee hinter SCRUM lässt sich so nicht verwirklichen. Dabei ist die grundlegende Überlegung genauso simpel wie effektiv und trägt tatsächlich dazu bei selbst komplexe Projekte sicher beherrschen zu können. Allerdings gelingt dies nur, wenn sich alle Beteiligten vom Projektinitiierer bis zum umsetzenden Entwicklerteam an die Leitlinien halten, sich der eigenen Rolle und damit der Pflichten und Rechte bewusst sind und diese auch konsequent anwenden. 

In festgefahrenen traditionellen Strukturen scheitert dies oft schon an Basisvoraussetzungen wie „alle Partien vom Stakeholder bis zum Developer vertrauen einander“. Schafft man es jedoch den gemeinsamen SCRUM-Geist zu beschwören wird man mit einer sehr flexiblen und schlagkräftigen Methodik an komplexe Aufgaben gehen können und braucht keine Angst vor unvorhergesehenen Abweichungen zu haben.

ist doch alles kalter Kaffee, oder?

SCRUM ist weder eine weltverändernde Technologie noch eine Toolsammlung, die man nur noch anzuwenden braucht. Wer sich aber genauer mit diesem Framework beschäftigt, wird erstaunlich viele Komponenten aus seinen bisherigen Projekten kennen. Mit gesundem Menschenverstand ist man schon Jahre vorher selber auf den ein oder anderen Zusammenhang gekommen. Mit diesen Leitplanken gibt man diesen Überlegungen nur einen stabilen Rahmen und schreibt sie für alle fest. 

Die Zusammenarbeit wird einfacher, zuverlässiger und deutlich effektiver, wenn sich alle an die selben Regeln halten. Ergebnisse lassen sich leichter erzielen, wenn alle ein gemeinsam identifiziertes Ziel vor Augen haben und die Aufgaben bis zur Erreichung dieser Lösung klar zugewiesen sind. Dabei agieren vor allem die Entwickler immer im Team und tragen die Verantwortung gemeinsam. Gegenseitige Hilfe wird groß geschrieben und Transparenz in allen Schritten schafft Vertrauen. Der wichtigste Punkt jedoch ist: regelmäßige, sehr kurzschrittige Selbstprüfschleifen für das Entwicklerteam ermöglichen Reflektion und sofortige Korrektur, wenn etwas mal außerhalb des Plans verlaufen sollte. 

und täglich grüßt das Murmeltier...

Dies ermöglichen die Zerlegung der großen Aufgabe in sogenannte Sprints,

  1. deren Ziel vom SCRUM-Team gemeinsam formuliert wird, so dass alle beteiligt werden
  2. an deren Ende ein neuer und verbesserter Quellcode steht, der sich potentiell veröffentlichen lassen würde
  3. deren Erfolg durch diverse Meetingformate unterstützt wird, die alle eine bestimmte Idee verfolgen. Die jeweiligen Teilnehmer und ihre Rollen sind hierbei durch das Framework vorgegeben. So wird sicher gestellt, dass eine stetige Verbesserung durch die kritische Betrachtung der Vergangenheit und den Übertrag auf die neuen Aufgaben stattfinden. Frei nach den drei Beispielfragen aus dem SCRUM-Handbuch:
  • Was habe ich gestern zur Vebessereung beigetragen?
  • Was kann ich heute zur Erreichung des Sprintziels beisteuern?
  • Welche Hindernisse auf diesem Weg sehe ich noch?

Spiel mit verteilten Rollen...

SCRUM kennt keinen klassischen Projektleiter. Statt dessen setzt man auf selbst-organisierende Teams von 3-9 Mitgliedern. Diese bilden nicht „die Datenbankgruppe“ oder „die Sicherheitsmannschaft“, sondern sind für einen Teilbereich des Gesamtprojektes vollumfänglich in all seinen Ausprägungen verantwortlich. Grundsätzlich ist diese Gruppe so zusammengestellt, dass sie über alle notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt, um das Sprintziel zu erreichen. Bei Bedarf kann sie in jeweils dafür vorgesehenen Meetings externe Spezialisten hinzuziehen, um bspw. Anforderungen besser zu verstehen oder sich Feedback von den Stakeholdern einzuholen.

Das „Developer Team“ wird dabei durch die Rolle des „Product Owners“ ergänzt. Dies ist eine einzelne Person, die die entscheidende Instanz über alle Fragen zu den Anforderungen an das Endprodukt darstellt. Es ist für alle Beteiligten viel einfacher gute Software zu entwickeln, wenn klar ist, dass es nur ein Teammitglied gibt, welches Änderungen am Anforderungskatalog durchführt, so den Überblick behält und gerne Auskunft gibt. 

Schließlich zählt auch noch der „SCRUM Master“ zum Scrum-Team. Seine Aufgabe ist es, die Bedingungen zu schaffen, um den SCRUM-Regeln zu entsprechen. Hierzu zählt das Beseitigen von Hindernissen, die den Projekterfolg gefährden genauso wie die Beratung der anderen Teilnehmer bspw. zur Durchführung von effektiven und regelkonformen Meetings.

zertifikat Torsten AHlemeyer zum Professional SCRUM Master

Gleich und doch nicht gleich...

Aktuell gibt es zwei relevante Instanzen, die SCRUM-Zertifizierungen in Deutschland anbieten. Sie sind auseinander hervorgegangen, stehen seitdem aber in Konkurrenz zueinander. Sie unterscheiden sich nicht wesentlich in den Inhalten, sehr wohl aber in den Regeln für die Zertifikate. Die Scrum-Allianzsetzt auf Präsenzveranstaltungen, in denen erfahrene Lehrer den Interessenten die Grundlagen von SCRUM erklären. Die Zertifikate haben einen entsprechenden Preis, da man ja die meist zweitägigen Workshops mit bezahlt. Außerdem müssen diese Zertifikate nach zwei Jahren gegen eine geringe Gebühr erneuert werden. Bei Scrum.org kann man die Zertifikatsprüfung auch ohne vorherigen Workshop ablegen, was die Kosten reduziert. Einmal bestandene Zertifikate haben kein Ablaufdatum.

Die Qual der Wahl...

Eine SCRUM-Zertifizierung bei Scrum.org für den Titel „Professional SCRUM Master“ ist eine 60-minütige Online-Prüfung im Multiple-Choice-Verfahren. Das ganze Prozedere ist vollständig in Englischer Sprache. Es sind 85% der Fragen korrekt zu beantworten, wobei jedes falsch oder nicht gesetzte Kreuz dazu führt, dass die gesamte Frage als ungültig gewertet wird.

Wer die unter Scrum.org bereitgestellten Lehrmaterialen gewissenhaft durcharbeitet hat eine solide Basis für die Prüfung. Noch mehr hat mir aber eine kurze Internetrecherche geholfen, die die Webseite von Mikhail Lapshin zu Tage fördert. Er lebt in der Gegend der San Fransico Bay und hat einen Online Simulator mit über 80 Fragen bereit gestellt. Diese sind in der Art der Präsentation, dem Schwierigkeitsgrad und der Formulierung sehr nah an den späteren Prüfungsfragen und ein ideales Lernmedium. Wer hier regelmäßig mehr als 95% der erzielbaren Punkte holt, ist gut vorbereitet!


Viel Erfolg bei der Zertifikatsprüfung!

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Torsten Ahlemeyer

Torsten Ahlemeyer

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